Zum 120. Geburtstag des Begründers der modernen Europa Idee Richard Coudenhove-Kalergi

Publiziert von der Europa-Gesellschaft Coudenhove-Kalergi
Generalsekretär Dr. Heinz Wimpissinger

On the 120th Birthday of the Founder of the modern Idea of Europe

120e anniversaire de l’inspirateur de l’idée moderne de l’Europe Richard Coudenhove-Kalergi

 Univ.Prof Dr. Anita Prettenthaler- Ziegerhofer

 
Wenngleich sich jedes Jahr als ein Jahr der Jubiläen anbietet, so ist 2014 mehrfach ein besonderes Jahr: Es steht vollends im Zeichen der Gedenken zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Dieses Jahr markiert den Anfangspunkt des „langen Krieges“, der erst 1945, also vor 69 Jahren endete. Während dieser Zeitspanne von 31 Jahren erfolgten viele Veränderungen, die für die Ausgestaltung der gegenwärtigen Europäischen Union fundamental waren.

Vor 120 Jahren, am 17. November 1894, erblickte Richard Coudenhove-Kalergi in Tokio das Licht der Welt. Zur Zeit des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges war er 20 Jahre alt, am Ende des „langen Krieges“ 45 Jahre. Während dieser 25 Jahre gelang es ihm, seinen Namen untrennbar mit seiner europäischen Vereinigungsidee Paneuropa in Verbindung zu bringen und sich dadurch unsterblich zu machen.

 Richard Coudenhove verabscheute den Ersten Weltkrieg, sah aber darin doch einen „Nutzen“: Durch diesen würden neue Ideen zum Durchbruch gelangen, dies galt in erster Linie für die Idee Paneuropa. Die Vision von der Vereinigung europäischer Staaten war nicht neu, man besann sich ihrer als Europa wieder einem Trümmerhaufen glich – neu hingegen war aber der Versuch, diese Idee zum Leben zu erwecken. Hier war Coudenhove bahnbrechend. Unter Zuhilfenahme der damaligen wichtigsten Medien und als unermüdlicher Networker versuchte er Paneuropa zu realisieren. Beinahe alles, was wir heute in der EU als selbstverständlich ansehen, hat er schon damals an- und vorausgedacht. Sein Paneuropa müsste eine Union europäischer Staaten sein, in der etwa jene Werte verwirklicht werden sollte, die wir in Art. 2 EUV (Lissabon) verankert wissen: Coudenhove forderte Menschenrechte, Freiheit, Demokratie genauso für sein Paneuropa wie Nichtdiskriminierung, Solidarität und die Gleichheit von Mann und Frau. Dieses aufklärerische Gedankengut wollte er als Einzelperson für Europa umsetzen, wozu wir heute eine 28 köpfige Kommission benötigen!

 
Coudenhove war ein Seismograf hinsichtlich der europäischen Frage, verfolgte die europäische Tagespolitik, um daraus immer wieder und unermüdlich den für ihn einzigen Schluss zu ziehen: die Vereinigung europäischer Staaten. Er wusste, dass Europa nicht mit einem Schlag errichtet werden könne, wie es Robert Schuman erklärte, er wusste, dass, wie es Hans von der Groeben ausdrückte, Europa Zeit braucht. Dennoch war er ungeduldig und wollte die Dynamik des Integrationsprozesses bis zur Finalität ausreizen. Bis zu seinem im Jahr 1972 erfolgten Tod plädierte Coudenhove in seiner ihm eigenen beinahe intransigenten Art für eine politische Union und hatte die Vision von einer Verfassung für Europa. Letzteres wird wohl noch lange Vision bleiben, denn über die Finalität des europäischen Integrationsprozesses wird derzeit geschwiegen und daran wird auch die neue Kommission Juncker, so dynamisch sie auch ist, wahrscheinlich nichts ändern

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