GEDENKTAGE ÖSTERREICHS 1938 - vor 80 Jahren
HISTORISCHE PARTEIISCHE INTERPRETATIONSBREITE - MYTHEN UND REALITÄTEN
ANSCHLUSS nennen vor allem die politisch links inspirierten Interpreten den Einmarsch der Nazitruppen in Österreich im März 1938.
ANNEXION müsste es wohl offiziell heißen, da die österreichische Regierung erkläre, der Gewalt zu weichen und der österreichische Bundeskanzler seine Erklärung mit „Gott schütze Österreich“ abschloss.
AUSTROFASCHISTISCH bezeichnet das sozialistische Österreich den Ständestaat der Zwischenkriegszeit. Faschismus leitet sich allerdings von der weitgehend diktatorischen Staatsverfassung in Italien unter einer zum Kult stilisierten Führerfigur ab. In Österreich stütze man sich jedoch auf die zivilgesellschaftlichen Stände, allerdings unter Ausschluss wichtiger politischer Gesellschaftsteile, wobei je nach parteipolitischer Interpretation der Ausschluss als selbstverschuldet oder gezielt bezeichnet wird.
DEMOKRATIE auf breiter Basis war nach dem Zusammenbruch der Monarchien der Zwischenkriegszeit in Europa noch unerprobt und die verwerfliche Gewaltbereitschaft omnipräsent. Auch in Deutschland hat schließlich die Weimarer Republik keine bestehende Ordnung schaffen können und faktisch für das schreckliche Gewaltregime des Nationalsozialismus den Boden bereitet.
OPFERSTATUS Österreichs bei der Machtübernahme durch Nazi-Deutschland: Dieser wird immer wieder in Frage gestellt. Das offizielle Österreich mit seiner Regierung hat den deutschen Militäreinmarsch eindeutig als Gewaltakt qualifiziert. In der letzten Phase dieser Entwicklung wollte zudem Nazi-Deutschland eine vorgesehene Volksabstimmung verhindern, um nicht die Gefahr eines Volksentscheides gegen sich zu haben. Dass im Einzelnen viele Österreicher Täter und Verbrecher waren, ist eine traurige Tatsache.
ANTISEMITISMUS war in der Krisenzeit nach dem ersten Weltkrieg ein stark aufflammendes Ventil für Schuldzuweisungen im politischen und wirtschaftlichen Chaos. In Österreich vertraten praktisch alle Großparteien antisemitische Positionen. Dabei hätten gerade bei der extrem inhumanen Einstellung im Nationalsozialismus alle Alarmglocken läuten müssen. Einzelne Verteidiger der wichtigen Rolle des Judentums für unsere Gesellschaft, wie der Paneuropäer Richard Coudenhove-Kalergi, fanden kaum Gehör.
NATION Österreich war lange ein umstrittener Begriff. Der Begriff Österreich bezog sich seinerzeit auf ein multinationales Großreich. Nach dem ersten Weltkrieg wollten in dem verbliebenen Deutschösterreich weitgehend alle politischen Kräfte sich Deutschland anschließen, was die Siegermächte nicht erlaubten. Die gewaltigen Wirtschaftsprobleme dieser Zeitperiode unterstützten des großdeutsche Denken. Allerdings scheint sich in den 1920er Jahren als Abwehr gegen die rassistischen Ideen des Nationalsozialismus ein neues Österreich-Bewusstsein entwickelt zu haben, das heute eine gesunde patriotische Realität darstellt – eingebettet in ein gut verankertes Europatria.
CHRISTENTUM und Reaktion auf den Nationalsozialismus: Menschenverachtung, Gewalt und Kriegshetze des Nazismus standen total und diametral der christlichen Nächstenliebe entgegen. Aus heutiger Sicht ist die zurückhaltende Rolle der christlichen Kirchen diesem Terror gegenüber unverständlich. Wohltuender ist die Erklärung der katholischen Biswchofskonferenz zu den Gedenktagen mit dem Eingeständnis der Mitschuld und Mitverantwortung.
GEDENKZIELE: wachsam sein bei aktuellen Entwicklungen
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